15.03.2022
Pressemeldung des BA 1

Neue Freiraumqualitäten in der Altstadt

Am 10. März lud der BA Altstadt-Lehel zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung ein, in der Ideen zur Aufwertung des öffentlichen Raumes rund um Kosttor und Hildegardstraße vorgestellt wurden. Nachfolgend spiegeln wir hier die Pressemitteilung des BA 1.
 

Pressemeldung vom 15.03.2021

Informationsveranstaltung „Umfeldgestaltung Hildegardstraße“ am 10. März 2022


Neue Freiraumqualitäten in der Altstadt
Ideen zur Aufwertung des öffentlichen Raumes rund um Kosttor und Hildegardstraße



Parkende Autos prägen heute das Bild der Straßen zwischen Tal und Maximilianstraße. Wie kann man die Aufenthaltsqualität im Herzen der Münchner Altstadt für Anwohner*innen und Besucher*innen attraktiver gestalten? Wie kann man die Bedürfnisse der Fußgänger*innen besser berücksichtigen? Wie können Anwohner*innen weiterhin mit dem Auto ihre Wohnungen erreichen? Mit Vorstellung der Machbarkeitsstudie von Landschaftsarchitektin Prof. Regine Keller (Keller Damm Kollegen, Landschaftsarchitekten Stadtplaner) stellte der Bezirksausschuss Altstadt-Lehel (BA1) am Donnerstag, den 10. März 2022 Möglichkeiten der “Umfeldgestaltung Hildegardstraße” vor. Mit Blick auf das Infektionsgeschehen führte der BA1 erstmals eine digitale Bürgerinformation durch. Mehr als 50 interessierte Bürger*innen beteiligten sich an der knapp zweistündigen Veranstaltung per Chat mit Fragen und Impulsen.

Der Bezirksausschuss Altstadt-Lehel befasst sich auf Anregung des Bauherren WÖHR + BAUER seit 2017 mit der verkehrlichen Situation und der Gestaltung des öffentlichen Raumes im Umgriff des Neubaus Hildegardstraße. Im Zuge der Neuentwicklung auf dem Areal des ehemaligen FINA Parkhauses soll auch das Umfeld außerhalb der Grundstücksgrenzen betrachtet werden. 

Als Grundlage für weiterführende Ideen im Umgriff der Hildegardstraße umfasst der einstimmige BA-Beschluss von 2018 eine mögliche geänderte Verkehrsführung sowie die Idee einer Verkehrsberuhigung in Teilbereichen. WÖHR + BAUER hat Frau Prof. Keller mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt, um die möglichen Freiraumgestaltungen zwischen Maximilianstraße und Tal zu verbessern.

Die vorgestellten Entwürfe finden im BA viel Anklang und werden nun in den öffentlichen Diskurs eingebracht. Die öffentlichen Plätze und Wege sollen durch eine qualitätsvolle Aufwertung mehr Mobilitätsgerechtigkeit schaffen und eine höhere Aufenthaltsqualität bieten. Kern der Idee: Indem das Autofahren im Quartier vorrangig Anwohner*innen und Anlieger*innen vorbehalten sein soll und Stellplätze von der Oberfläche in eine neue Tiefgarage verlagert werden, entsteht neuer Platz für Grünflächen und zum Flanieren. Auch ästhetische Elemente wurden dabei untersucht: Frau Prof. Keller regt neben einer Begrünung mit Bäumen und Sträuchern sowie einladenden Sitz- und Spielmöglichkeiten auch eine neue Pflasterung an.

Gerechte Verteilung des öffentlichen Raumes

Hauptziel der Studie sei die Verbesserung der Mobilitätsgerechtigkeit, erklärte Prof. Keller. Radfahrer*innen und Fußgänger*innen sollen gegenüber dem Auto nicht mehr benachteiligt werden. Neben einer Verkehrsberuhigung mit entsprechendem Tempolimit könnte diese Maßnahme durch den Wegfall von Stellplätzen an der Oberfläche besondere Wirkung entfalten. 

Als Vertreter des Bauherren WÖHR + BAUER erklärte Geschäftsführer Wolfgang Roeck welche Möglichkeiten sich durch das Neubauprojekt ergeben. Neben den Stellplätzen für Büros und Wohnungen werden in der Tiefgarage zusätzliche 67 Stellplätze speziell für die Anwohner*innen aus dem Umfeld gebaut. Das bedeutet, man könne auf 67 Stellplätze an der Oberfläche verzichten, ohne der Nachbarschaft benötigten Parkraum zu nehmen. WÖHR + BAUER hat in einer weiteren Machbarkeitsstudie durch den Verkehrsgutachter Prof. Harald Kurzak untersuchen lassen, wo die Stellplätze an der Oberfläche entfallen könnten, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern.

Autoverkehr für Anwohner*innen

Landschaftsarchitektin Frau Prof. Regine Keller erläuterte ihre Entwürfe zur neuen Gestaltung und Nutzung der Straßen und Plätze rund um das ehemaligen FINA Parkhaus auf 85 Folien. Die Expertin empfiehlt eine Gestaltung der derzeit vom Autoverkehr dominierten Plätze am Kosttor und an der Hochbrückenstraße, die den Menschen in den Mittelpunkt der Planungen stellt. Fußgänger, egal ob jung oder alt, sollen in der aktuell von motorisierten Fahrzeugen dominierten Verkehrslage mehr Raum zugesprochen bekommen. Auch die Freiheit von Menschen mit eingeschränkter Mobilität soll eine tragende Rolle spielen: Barrierefrei sollen alle Plätze und Wege querbar und erreichbar sein. Ebenso soll das Viertel für Radfahrer*innen bequemer und sicherer werden. Frau Prof. Keller betonte, dass die Bedürfnisse der Anlieger*innen berücksichtigt werden: Das Viertel solle weiterhin für motorisierte Anwohner*innen und Lieferfahrzeuge erreichbar bleiben.

Studie in drei Schritten

Landschaftsarchitektin Prof. Regine Keller hat in der von WÖHR + BAUER beauftragten Machbarkeitsstudie eine umfassende Bestandsanalyse des öffentlichen Raumes durchgeführt: Dazu wurde in einem ersten Schritt die Verortung der Plätze und Wege in der Münchener Innenstadt betrachtet. Diese städtische Situation und die angrenzenden Nachbarschaften wurden auch im historischen Kontext untersucht.

In einem zweiten Schritt wurde festgestellt, dass die Umgebung um die Hildegardstraße eine “Tür zur Innenstadt” darstellt: Hier bewegen sich Fußgänger vom Platzl zur Maximilianstraße und von Kosttor zur Altstadt.

In der dritten Phase wurde der Straßenraum genauer unter die Lupe genommen: Neben einer Verkehrsanalyse untersuchte man die Standorte von Denkmälern und die Materialitäten im Untersuchungsgebiet. 

Nach der Bestandsanalyse wurden die Herausforderungen geschildert, die das Umfeld mit sich bringt: Die Platzflächen spielen dabei eine zentrale Rolle. Nach dem Konzept von Prof.  Keller blüht der öffentliche Raum als Begegnungszone auf.

BA startet politischen Prozess und lädt zur Beteiligung ein

Die Vertreter*innen des Bezirksausschusses, Andrea Stadler-Bachmaier, Wolfgang Püschel und Stefan Blum, erläuterten den Handlungsdruck in dem Quartier und hoben die grundsätzliche Unterstützung der Pläne durch den BA hervor. Im weiteren Prozess bedarf es eines Antrages des Bezirksausschusses und eines Stadtratsbeschluss zur Verkehrsberuhigung und Neugestaltung des öffentlichen Raumes im Umgriff Hildegardstraße, einschließlich Kosttor und Platz an der Hochbrückenstraße, um in eine Umsetzung unter Beteiligung der Öffentlichkeit einsteigen zu können. Die Anregung aus dem Plenum, auch die Schüler*innen der Herrnschule in die Beteiligung einzubeziehen, fand bei der BA-Vorsitzenden Stadler-Bachmaier Zustimmung.

Neben der Frage nach Lösungen für den Auto- und Radverkehr, auch für die Anwohner*innen, richtete sich das öffentliche Interesse auch auf die Gestaltung der neu zu entwerfenden Flächen durch attraktive Pflasterungen, Beleuchtung und Spielplätze.

Eine erste Vision der neuen Freiraumqualitäten in der Altstadt (Credit: Keller Damm Kollegen, Landschaftsarchitekten Stadtplaner)Ist-Zustand im Untersuchungsgebiet (Credit: Keller Damm Kollegen, Landschaftsarchitekten Stadtplaner)Ist-Zustand im Untersuchungsgebiet (Credit: Keller Damm Kollegen, Landschaftsarchitekten Stadtplaner)Ist-Zustand im Untersuchungsgebiet (Credit: Keller Damm Kollegen, Landschaftsarchitekten Stadtplaner)